Winter Meeting 2015 in Slovenia

Bericht von Erwin Moldaschl

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Nach fast einem Jahr bei der IFSA ging es für mich auf mein erstes internationales Treffen nach Slowenien. Mit der Bahn war ich in 6 Stunden in Ljubljana und nach ein bisschen herumwandern in der Stadt fand ich die Fakultät etwas außerhalb des Zentrums.

So langsam trudelten die Teilnehmer ein und am Abend saßen und standen dann Studenten aus insgesamt zwölf Nationen (Finnland, Deutschland, Italien, Tschechien, Slowakei, Bulgarien, Rumänien, Spanien, Kroatien, Türkei, Österreich und Slowenien) bei einem gemütlichen Bier beisammen.

Sie konnten schon für den ersten Abend einen ihrer Professoren für einen spannenden Vortrag über große Raubtiere gewinnen. Dieser erforscht Luchs, Bär und Wolf und deren Funktion im Ökosystem. Bis dahin hatte ich mich mit dieser Thematik noch nie befasst und war sofort begeistert. Ich erfuhr, dass in Slowenien zurzeit 400-500 Bären, 50 Wölfe und 10-15 Luchse beheimatet sind. Am interessantesten fand ich die wichtige Stellung des Wolfes. In Slowenien trägt dieser dazu bei den Verbiss an Jungbäumen und die Zahl der Schälschäden durch Rot- und Rehwild zu kontrollieren. Dies macht er größtenteils nicht durch die Dezimierung, sondern durch die durch ihn herbeigeführte Verhaltensänderung des Wilds. Auch in anderen Ländern konnten schon positive Effekte beobachtet werden. Im Yellowstone National Park wurde der Wolf nach seiner Ausrottung wieder angesiedelt. Dadurch konnten viele Pflanzen, die vorher durch Rotwild keine Chance hatten sich zu etablieren, wieder öfters beobachtet werden. Diese lockten Vogelarten und Insekten an. Außerdem standen der Kojote und der Dackel auf dem Speiseplan des Wolfes. Dadurch konnten sich wieder Biber ansiedeln, was mit einer zu großen Anzahl dieser kleineren Raubtiere nie möglich gewesen wäre. Diese Biber bauten Dämme. Dadurch wurde die Geschwindigkeit des Wassers verlangsamt und die Erosion wurde reduziert. Außerdem konnten sich in den Aufgestauten Abschnitten Frösche und Fische ansiedeln. Dies zeigt wie schnell ein gesamtes Ökosystem nur durch die Veränderung eines einzelnen Parameters geändert werden kann und soll auch ermahnen, dass dies auch für negative Auswirkungen gilt. In tausend Jahre alten Systemen herum zu pfuschen und solche Kettenreaktionen auszulösen kann auch schwer reichende und manchmal irreparable Schäden mit sich ziehen. Doch auf welch vielfältige Weise der Mensch unseren schönen Planeten zerstört ist eine andere Geschichte.

Wir schliefen im Hörsaal und um 7:00 ging es schon wieder los. Bei diversen Präsentationen erfuhren wir sehr viel über Slowenien. Mit 60,56% Wald auf 20273 km² und 2 Millionen Einwohnern ist dieses kleine Land eines der waldreichsten Europas. Es wird sehr viel Wert auf naturnahe Forstwirtschaft gelegt. Dies hat aber eine geringere Wertschöpfung aus der Ressource Holz zur Folge. Außerdem hat die Regelung der Erbschaft, dass Besitz auf alle Kinder aufgeteilt wird eine Zerstückelung der Waldgebiete zur Folge. So gibt es nun unglaublich viele Waldbesitzer mit sehr kleinen Parzellen. Dies führt dazu, dass viele nicht einmal wissen wo sich ihr Wald befindet. Außerdem ist es dadurch schwer Forststraßen zu bauen und die Infrastruktur zu verbessern, denn wenn man 150 Leute um ihr Einverständnis gewinnen muss, ist das ein Ding der Unmöglichkeit.

Nach dem Mittagessen fuhren wir zur Lasco Brauerei und weiter zur Unterkunft nach Gore. Diese war ein Gasthaus mit guter Küche und genügend Zimmern in einem Dorf in einer Hügeligen und Waldreichen Region Sloweniens. Am Abend wurde der für jedes IFSA-Treffen zur Tradition gehörende International Evening abgehalten. Jeder präsentierte die kulinarischen Spezialitäten seines Landes und nachher wurde verkostet und bei den verschiedenen Schnäpsen auf Freundschaft getrunken. Ich sah, dass nun am dritten Tag alle  „aufgetaut“ waren.

Am dritten Tag gingen wir in Begleitung des zuständigen Försters wandern. Wir genossen die ersten warmen Tage des Jahres und nach Einkehr in einer Gaststätte spielten wir „Flanky-Ball“.

Am nächsten Morgen fuhren wir wieder zurück nach Ljubljana und nahmen an zahlreichen Workshops teil. Wir erfuhren, dass die Arbeitsfelder in der Forstwirtschaft einem Wandel unterworfen sind. Es gibt zu wenig Stellen in der „typischen Forstwirtschaft“ für die vielen Forsttechniker und so werden neue Betätigungsfelder in der Öffentlichkeitsarbeit geschaffen.

Für mich ging es am nächsten Morgen, nach einer lustigen Nacht in der wir die Lokale der Stadt unsicher machten leider wieder zurück nach Wien da ich am Wochenende in der Kletterhalle Dienst hatte und deswegen nicht bis zum Ende bleiben konnte. Für die anderen ging es noch weiter zum Höhepunkt des Treffens in den Triglav Nationalpark.

Ich wurde sehr herzlich verabschiedet und fand es schön, dass der Abschied sogar ein bisschen traurig war. Ich bin sehr froh diese herzlichen Menschen kennen gelernt zu haben und freue mich schon sehr auf das nächste Treffen.

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